Video der Woche: Marshmallow Test

Vielleicht habt ihr ihn schon einmal gesehen: Den Marshmallow-Test. Der Versuchsaufbau ist immer ungefähr gleich:

4-jährige Kinder, die keinen Hunger haben, werden in einen Raum gesetzt, in dem ausser einem Tisch und einem Stuhl kaum etwas steht. Vor ihnen steht eine Süssigkeit, die sie sich selbst ausgesucht haben.
Der Versuchsleiter erklärt den Kindern die Spielregeln. Sie dürfen die Süssigkeit sofort essen. Wenn sie aber mit dem Verzehr warten, bis der Versuchsleiter von selbst wieder zurückkommt, bekommen sie einen zweiten Marshmallow und dürfen beide sofort essen. Die Dauer, die der Versuchsleiter weggeht, ist verschieden und dauert bis zu 15 Minuten.

Der österreichisch-amerikanische Psychologe Walter Mischel fand heraus, dass zwei von drei Kindern die Süssigkeit essen, bevor der Versuchsleiter zurückkehrt. Man sieht den Kindern im Video auch an, dass es ihnen fürchterlich schwer fällt.

Als Walter Mischel die Kinder etwa 15 Jahre später wieder aufsuchte und zu ihrem Leben befragte, stellte er erstaunlicherweise fest, dass alle (100%) der Kinder, die auf eine Verdoppelung der Süssigkeit gewartet hatten, gute Noten hatten, einen stabilen Freundeskreis und ihren Collegeabschluss machten.

Die Kinder, die eine sofortige Belohnung brauchten, waren dementsprechend schlechter in der Schule und hatten auch weniger Erfolg im Beruf.

Das Prinzip der „instant gratification“ beschäftigt mich im Moment sehr. Wie kann man seinem Kind beibringen, dass nicht alles sofort belohnt werden muss. Wenn man wartet, kann die Belohnung viel grösser ausfallen. Natürlich muss man das selbst vorleben können.
Mir fällt es nur leider auch schwer zu sagen: Nein, ich esse diese Schokolade/Kuchen nicht, denn ich will im Sommer eine gute Figur haben.

Nach einiger Recherche habe ich nur gefunden, warum es so schwer fällt die sofortige Belohnung auszuschlagen und zu warten. Denn wer wartet, muss sich ein Ziel vor Augen setzen. Dieses liegt allerdings in der Zukunft und ist deshalb schwammig und nicht klar zu sehen. Die Belohnung liegt direkt vor einem und ist sehr präsent.
Wer sich also sehr genau ausmalt, wie die Zukunft aussehen kann, hat bessere Chancen auf Erfolg.

Quellenangaben:

http://www.scientificamerican.com/article/how-to-avoid-the-temptations-of-immediate-gratification/

http://en.wikipedia.org/wiki/Marshmallow_test

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Die Bindungstheorie ist auch gerade ganz aktuell in den Medien. Schaut doch mal in diesen Artikel in der Zeit. Hier wird der Kinderpsychiater Karl Heinz Brisch befragt zum Thema Kinderbetreuung in der Kindertagesstätte.

Durch den Schlüssel von einer betreuenden Person auf sechs oder sieben Kinder kommt es zu einer emotionalen Vernachlässigung.

Kinderbetreuung?

Das Krippenrisiko

Endlich gibt es genügend Kitaplätze. Aber die Qualität der Betreuung ist nicht gut genug, sagt der Bindungsforscher und Kinderpsychiater Karl Heinz Brisch im Interview.

EIN INTERVIEW VON CHRISTINE BRINCK

DIE ZEIT: Herr Brisch, die von Bund, Ländern und Kommunen angestrebte Zahl von Krippenplätzen ist erreicht, sogar übererfüllt worden. Sie beschäftigen sich mit der seelischen Gesundheit von Kindern. Ist jetzt alles gut für Eltern und Kleinkinder?

Karl Heinz Brisch: Nein, Kleinkinder müssen nicht irgendwie untergebracht werden, die Qualität der Betreuung entscheidet alles.

ZEIT: Wie messen Sie Qualität? … WEITER

Psychologische Sensibilität (Mind-Mindedness)

Dieser Artikel ist Teil einer Beitragsreihe, die hier anfängt und baut auf die Bindungstheorie– und „Theory of Mind„-Artikel auf.

Der Begriff der Mind-Mindedness lässt sich wirklich schwerlich ins Deutsche übersetzen. In der deutschen Fachliteratur wird es mit „psychologischer Sensibilität“ übersetzt. Ich finde das schwer verständlich und bleibe deswegen lieber bei dem Begriff Mind-Mindedness (MM).

Geprägt wurde dieser Begriff von Prof. Elizabeth Meins, die in Grossbritannien einen Lehrstuhl innehat. Sie schrieb 1997 ein Buch über die MM und erklärte dort den Begriff umfassend (leider ist das Buch sehr teuer und ich hab nur Zusammenfassungen (2) gelesen).

Basierend auf der Bindungstheorie und der ToM, gibt es die MM.

  • Eltern, die mind-minded sind, sehen ihre Kinder als Individuen an und versuchen sich in ihre Gedankenwelt einzufühlen. Sie versuchen herauszufinden, was das Kind möchte, indem sie schauen, wo die Aufmerksamkeit des Kindes liegt und darauf reagieren.
  • MM-Eltern imitieren auch häufig die Dinge, die ihr Kind gerade tut, das sogenannte „mirroring“. Sie machen die Geräusche und Gesten des Kindes nach.
  • Meins schreibt auch, dass besonders sensible Mütter es schaffen, genau die Gefühlswelt ihrer Kinder zu erkennen. Die Stimmung des Kindes ist für sie klar zu sehen und sie kommentieren dies auch. Dadurch bekommt das Kind auch die Möglichkeit recht früh seine eigene Gefühlswelt in Worte zu fassen.
  • Durch dieses frühe Sprachverständnis können die Kinder ToM-Tests auch früher bestehen.

In diesem Video sieht man deutlich wie die Mutter auf ihr Kind eingeht und die Worte sagt, die das Kind noch nicht sagen kann. Es entsteht quasi ein Dialog:

Elizabeth Meins betont, dass es einen Unterschied gibt zwischen einfühlsamen Müttern und MM-Müttern.
Eine einfühlsame Mutter versteht was das Kind möchte und reagiert zeitnah auf Rufe des Babys. Allerdings integriert sie die gefühlsbezogenen Wörter nicht unbedingt in den täglichen Sprachgebrauch.

Die MM-Mütter machen genau das. Sie bemerken, wenn das Kind z.B. unglücklich ist und sagen es auch laut. Dieses Einfühlungsvermögen zahlt sich aus:

  • Die Kinder sind sicherer gebunden, wenn sie etwa ein Jahr alt sind.
  • Wenn sie etwa 2 Jahre alt sind, haben sie ein wesentlich besseres Sprachverständnis
  • Und wie schon geschrieben, können sie mit etwa 4-5 Jahren die ToM-Tests besser bewältigen. Das heisst im Klartext, dass sie sich in andere Menschen besser hineinversetzen können und dadurch in der Gesellschaft besser aufgenommen werden.
  • Zu guter Letzt haben Kinder von MM-Eltern auch weniger Verhaltensstörungen in der frühen Kindheit.

Wer ein tolles Interview mit der Wissenschaftlerin hören möchte, kann hier bei BBC mal reinhören.

Theory of Mind (ToM)

Dieser Artikel ist Teil einer Beitragsreihe, die hier anfängt und hier weiter geht:

Um die Theory of Mind (ToM) zu erklären, muss man nicht weit ausholen. Es ist die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen.
Wenn der dreijährige Jonas sich die Augen zuhält, geht er ganz klar davon aus, dass man ihn nicht mehr sehen kann, denn er sieht auch niemanden.

Ein dreijähriges Kind kann noch nicht verstehen, dass andere Menschen anders denken, fühlen und sehen. Das ist keine Erziehungssache.
Das sieht man in diesem Video eigentlich ganz gut. Das Kind kann noch nicht verstehen, dass die Puppe nicht gesehen haben könnte, dass der Zug die Position gewechselt hat. Diesen Test nennt man übrigens „false belief test“.

False belief test- gescheitert:

Wenn das Kind etwa 4 bis 5 Jahre alt ist, besteht es den Test normalerweise. Besteht es den Test nicht im Alter von 6 Jahren, wird das Kind auf Autismus getestet.

False belief test- geschafft:

Im Buch Babyjahre von Remo Largo wird die ToM unter dem Kapitel „Beziehungsverhalten“ sehr ausführlich besprochen.
Zunächst muss das Kind gegen Ende des 2. Lebensjahres ein Selbstverständnis entwickeln, erkennen dass es eine eigenständige Person ist und kann sich jetzt von anderen Personen abgrenzen. Normalerweise wird dazu der Spiegeltest gemacht. „Nur wer sich im Spiegel erkennt, kann auch Empathie entwickeln.“
Das Kind bekommt einen Punkt ins Gesicht geklebt. Erkennt es, dass da ein Punkt ist?

Der erste Schritt ist also gemacht, sobald das Kind sich selbst erkennt. Aber es ist noch ein langer Weg bevor es versteht, dass Dinge, die andere tun durch Wünsche und Absichten beeinflusst werden.
Es entwickelt sich auch die Fähigkeit dazu, dass die Realität anders ist, als das Kind es angenommen hat. Dieses Durchschauen von falschen Annahmen gibt dem Kind dann auch die Fähigkeit zu lügen. Wie in diesem Video zu sehen, muss die Fähigkeit zu lügen, aber gut ausgetestet werden. Remo Largo empfiehlt geduldig zu sein und zu loben, wenn es ehrlich ist.

Der nächste Entwicklungsschritt ist dann das Entwickeln eines „Metaverständnisses“. Witze werden verstanden und nicht als Lüge begriffen.
Danach entwickeln die Kinder noch die „innere Sprache“, das Denken unterscheidet sich vom Denken als punktuelles Ereignis.

Bindungstheorie.

Dieser Artikel ist Teil einer Beitragsreihe, die hier anfängt.

Einige der folgenden Videos können einem die Tränen in die Augen treiben. Ihr seid gewarnt!

So viele Theorien. Dann fangen wir mal mit der Bindungstheorie an. Denn die kommt in der Entwicklung auch zuerst.

Nach dem zweiten Weltkrieg behandelte der britische Kinderpsychiater John Bowlby viele Kinder, die während der Attacken auf London aufs Land geschickt wurden. Viele dieser Kinder waren sehr jung. Ihnen fehlte es auf dem Land an nichts und doch zeigten sie Anzeichen von Traumata. Bowlby erkannte, dass diese Kinder durch die Trennung von ihrer Mutter schwer mitgenommen waren.

Attachment can be defined as a unique emotional bond between carer and child that involves an exchange of comfort, care and pleasure. 

(Bindung kann als einzigartige emotionale Verbindung zwischen Betreuer und Kind betrachtet werden, die auf dem Austausch von Behagen, Pflege und Freude basiert. <– frei nach Frau Mupf)

Ich finde im folgenden Video kann man recht deutlich sehen was für einem Stress ein kleines Kind ausgesetzt ist, wenn es von der Mutter über längere Zeit getrennt wird. Das Video wurde von Robertson gemacht, der auch einer der Begründer der Bindungstheorie ist. Er erkannte und dokumentierte auch den unglaublichen Stress der Kinder, die bei einem Krankenhausaufenthalt ihre Eltern nicht sehen durften:

Die dritte Person, die mit Bowlby zusammen die Bindungstheorie weiter ausfeilte war Mary Ainsworth. Sie entwickelte das Experiment der „fremden Situation“. Hierbei werden die Mutter und das Kind in eine fremde, aber ansprechende Umgebung gebracht. Zunächst spielt das Kind auf dem Boden (entweder mit der Mutter oder die Mutter sitzt nebendran). Eine fremde Person kommt ins Zimmer und interagiert nach einer Weile mit dem Kind. Auf ein Signal hin verlässt die Mutter das Zimmer ohne das Kind. Die fremde Person interagiert weiter auf freundliche Weise mit dem Kind. Die Mutter kommt wieder zurück und begrüsst ihr Kind.

In diesem Fall sind besonders zwei Dinge sehr interessant:

  • Wie verhält sich das Kind bei An- oder Abwesenheit der Mutter?
  • Wie reagiert es auf die Begrüssung der Mutter?

In diesem Video sieht man eine sichere Bindung:

Das „fremde Situations“-Experiment gibt die Möglichkeit die Bindung des Kindes mit der Mutter zu kategorisieren. Die folgenden Bindungstypen werden dabei verwendet (Hier aus Wikipedia):

Screenshot (4)

In diesem Video kann man sich alle Bindungstypen anschauen:

Zusätzlich möchte ich noch die Bindungsentwicklung nach Bowlby erwähnen:

  1. Vorphase: bis ca. 6 Wochen
  2. Personenunterscheidende Phase: 6. Woche bis ca. 6./7. Monat
  3. Eigentliche Bindung: 7./8. bis 24. Monat
  4. Zielkorrigierte Partnerschaft: ab 2 / 3 Jahren

In den ersten 6 Monaten wird der Grundstein für alle weiteren Bindungen im Leben des Kindes gelegt.

So jetzt seid ihr gut informiert über die Bindungstheorie bei kleinen Kindern.

Ein sehr interessanter Artikel ist in der Zeit erschienen. Mit eurem erworbenen Wissen über Bindung könnt ihr die Brisanz des Themas gut verstehen.

Was Frau Mupf so macht.

Seit ein paar Wochen schon trage ich mich mit dem Gedanken etwas über den Mutterinstinkt zu machen. Blauäugig und naiv wie ich bin, habe ich mich an dieses Thema gemacht und damit ein Fass aufgemacht, dessen Boden sehr tief ist.

Aber fangen wir am Anfang an. Als der Minimupf geboren wurde, war ich eigentlich ziemlich ruhig. Wir werden das Kind schon schaukeln und ich verlasse mich auf den Mutterinstinkt (so wie meine Mutter bei uns). Das lief auch wirklich ganz gut. Die einzigen Male, in denen ich verzweifelte, war, wenn mir etwas anderes geraten wurde als mein Instinkt mir sagte. Natürlich beschäftigte ich mich trotzdem mit Literatur über was mich/uns noch erwartete. Und da stolperte ich über diesen Satz:

Ich habe mich seitdem intensiv mit dem Thema Bauchgefühl und Mutterinstinkt auseinandergesetzt und war überrascht, dass nicht wenige Wissenschaftler tatsächlich die Existenz eines naturgegebenen „Mutterinstinktes“ bezweifeln.

Was zum Geier? Und jetzt? Das ist doch komisch, oder? Und auf was habe ich mich dann die ganze Zeit verlassen? Das muss ich genauer wissen. Und damit fing meine Recherche an. Es war nicht einfach gute Literatur zu finden, die wirklich erklärt hat um was es geht. Allerdings habe ich eine Studie gefunden, die mir einige meiner Fragen gut beantwortet hat. Eine sogenannte „landmark“-Review, die also in der Wissenschaft oft zitiert wird und das Wissen bis zu diesem Zeitpunkt zusammenfasst. Ein Monster von einem Artikel, ganze 30 Seiten vollgepackt mit Wissen bis zum Rand. Dem kann ich gar nicht gerecht werden, wenn ich es hier zusammenfasse. Deshalb habe ich mich dazu entschieden erst alle möglichen Begriffe zu erklären bevor ich zu diesem grossen Artikel komme:

Also doch einiges was ich erst ausarbeiten musste, um mir einen Überblick zu verschaffen. Einige Fragen werden also geklärt und wieder neue aufgeworfen.

Interview mit Dr. Adriana Weisleder

Ich hatte die Chance ein Interview mit der Autorin der Studie „Kinder lernen durch Gespräche“ zu führen. Vielen Dank auch an WebEx, die mir die Software für das Interview zur Verfügung gestellt haben. Das Interview war 50 Minuten lang und ich stelle hier natürlich eine stark gekürzte Variante zur Verfügung.

Hallo Adriana, ich bin wirklich sehr froh, dass du Zeit hast, dieses Gespräch mit mir zu führen. Hier gleich die erste Frage:
1. Gibt es eine kritische Zeit, in der man unbedingt mit Kindern reden sollte?
Das ist eine schwierige Frage und hier gibt es verschiedene Meinungen. Wenn das Kind vor dem Alter von 7 Jahren nicht in Kontakt mit einer Sprache gekommen ist, wird es diese Sprache nicht so lernen, wie seine Muttersprache.
 Spracherwerb ist eine akkumulative Fähigkeit. Je mehr Sprache die Kinder hören, desto schneller entwickeln sie eine bessere Sprachfähigkeit. Aber eine kritische Phase festzulegen ist schwierig. Soviel ist allerdings sicher, mit 3 Monaten unterscheiden sie schon verschiedene Geräusche und mit 6 Monate bereits einige häufig genutzte Worte. 

2. Einige Mütter haben vor allem anfangs Schwierigkeiten mit ihren Sprösslingen viel zu reden. Ist das schlimm?
(lacht) Keine Sorge, wenn du am Anfang nicht soviel redest. Es geht mehr darum, dass du auf dein Kind eingehend antwortest. Das heisst, wenn dein Kind ein Signal sendet, solltest du immer irgendwie darauf reagieren. Dadurch lernt das Baby die Grundform der Kommunikation.

3. Gibt es auch den Fall des „zuviel mit dem Kind“-sprechen?
Wir haben in unserer Studie keine negativen Effekte herausgefunden. Auch aus der Literatur ist mir nichts bekannt. Aber es gibt eine Reizschwelle, wenn diese überschritten ist, wird aus dem Gesagten, keine weitere Information mehr herausgezogen.
Wichtig ist, dass man sich auf das Kind einlässt beim Sprechen. Man sollte sie in das Gespräch mit einbeziehen. Es kann leicht passieren, dass das Hauptaugenmerk beim Sprechen schnell nicht mehr auf dem Kind liegt.
Das ist auch das Wichtige an den Gesprächen mit dem Kind. Man sollte darauf achten: Wo liegt die Aufmerksamkeit des Kindes? Sprechen wir über die Dinge, die ihre Aufmerksamkeit anziehen?
Wenn das Kind etwas ganz anderes anschaut als das worüber wir gerade sprechen, ist es nicht nützlich.

4. Wie unterscheidet das Kind zwischen Gesprächen mit dem Kind und mitgehörten Gesprächen?
Naja, wir können natürlich nur von der Perspektive der Eltern ausgehen. Ein 18 Monate altes Baby kann einem Gespräch zwischen Erwachsenen einfach noch nicht folgen. Wenn es dann 5 Jahre alt ist, ändert sich das wahrscheinlich (lacht).
Wüsste man was genau das Kind als Gespräch ansieht, könnte man die Wortschatzerweiterung natürlich schneller vorantreiben.
Das Kind braucht Zeit um dem Sinn eines Erwachsenengesprächs zu folgen. Schliesslich ist Sprache ja der Aufbau auf zuvor Gehörtes und Verstandenes. Ausserdem wenn man mit Babys spricht, benutzt man ja eine sogenannte Ammensprache. Man geht also hoch und runter mit der Stimme und benutzt einfache Worte. Das nimmt natürlich die Aufmerksamkeit des Babys in Beschlag.

5. Was sagst du eigentlich zu den ganzen elektronischen Spielsachen, die mit dem Kind reden? 
Viele Studien haben bereits gezeigt, dass Medien schlecht sind für die Sprachentwicklung von kleinen Kindern. Dies liegt an zwei Gründen: Für die Sprachentwicklung braucht man a) die prompte und adäquate Reaktion auf Laute, die gemacht werden und b) die sprechende Person sollte über das sprechen, was die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich zieht.
Diese beiden Dinge sind nicht gegeben beim Fernseher.Zudem verpassen die Kinder so die Möglichkeiten ihre Sprache auszuprobieren.
Elektronische Spielsachen sind wenigstens aktivierbar und reagieren auf das Kind, aber sie reagieren nicht auf den Fokus des Kindes.

6. Welche Studie würdest du durchführen, wenn du endlose Ressourcen hättest?
Ich würde den Kindern aus der Studie folgen in etwa 7 oder 8 Jahren und versuchen herauszufinden, wie es ihnen jetzt schulisch geht. Sind sie tatsächlich besser?

7. Welche berufliche Laufbahn hast du durchgemacht um dahin zu kommen wo du jetzt bist?
(lacht) Ich bin natürlich versehentlich das geworden was ich bin. Erst habe ich Biologie und Chemie studiert, aber recht schnell einige Vorlesungen in Entwicklungspsychologie besucht. Das hat mich so fasziniert, dass ich dort weitergemacht habe.
Im Moment bin ich PostDoc an der NYU (Nach dem Doktor wird man Post Doc. Die NYU ist die New York University). Ich arbeite mit einem Kinderarzt zusammen. Wir helfen Familien, die geringes Einkommen haben und zeigen ihnen wie sich die Eltern-Kind-Beziehung verbessern lässt.

Vielen Dank für dieses Interview. Ich hab auf jeden Fall einiges gelernt und die Zeit war leider viel zu kurz. 

Dr. Adriana Weisleder

Dr. Adriana Weisleder

Hier noch mein Interview über Motorik mit Michele Lobo.