Babyschwimmen

Herr Mupf schreibt wieder:

Die Lehrerin versucht uns etwas zu erklären, dabei ist es absolut still bis auf das gelegentliche Schwappen von Wasser. Alle hören gebannt zu und möchten jedes Wort in ihrem Gedächtnis verankern, damit bei der anstehenden Übung auch alles richtig gemacht wird. Plötzlich macht es *plitsch platsch*, mein Gesicht ist naß, vor mir ertönt ein schriller Schrei und alle Anwesenden schauen in meine Richtung und lachen.

Das klingt nach einem „zurück zur Schule“-Albtraum, den wahrscheinlich so manche aus eigener Erfahrung oder zumindest aus Film und Fernsehen kennen. Aber nein: wir befinden uns mitten im Babyschwimmkurs. Die Betreuerin war gerade dabei uns Anweisungen für die nächste Übung zu geben als es Mimimupf zu langweilig wurde, und mit den Händen planschend ins Wasser schlug.

Ja, wir waren letztes Wochenende zusammen bei unserem ersten Babyschwimmkurs; es war ein richtig angenehmes Erlebnis und dem Kleinen hat es offensichtlich viel Spass gemacht.
Die erste Schwimmstunde bestand zum größten Teil darin, die Kinder an das tiefe Wasser und dessen Widerstand zu gewöhnen, in dem man sie gleichmäßig von links nach rechts schwenkte und dabei in eine Richtung lief. Das soll wohl vor allem den Gleichgewichtssinn stärken. Die Lehrerin betonte dabei, dass Augenkontakt zum Kind und eine positive Mimik sehr wichtig seien.

Tja, mit unseren Sohn war das leider nicht so einfach, weil er ja ständig mit den Fremden um ihn herum flirten musste. Wie auch beim Einkaufen hat er hier mal wieder alle Anwesenden unterhalten und ständig angegrinst. Und obwohl er bereits zu Beginn des Kurses schon recht müde war, ließ er es sich trotzdem nicht nehmen auch im Wasser so viel wie möglich herumzuzappeln. Für gute Stimmung (und müde Arme) war also gesorgt!
 
Auf dem Heimweg schlief Minimupf im Auto innerhalb einer Minute ohne einen weiteren Ton ein und schlief dann auch gute zwei Stunden durch.Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächste Stunde und bin mir sicher, dass der Kleine auch wieder eine gute Zeit im Wasser haben wird… und dabei fröhlich Papa nass spritzt und wieder aufgedreht lacht.
So sah unser Pool leider nicht aus

So sah unser Pool leider nicht aus

Bildnachweis: Flickr von Steve Slater

Mission Impossible

Es ist spät nachts, im Raum brennt nur eine Lampe.
Die Stimmung ist angespannt und unser Hauptdarsteller, unser Held, atmet tief durch und sammelt sich innerlich.
„Sir, ich habe so etwas schon häufiger gemacht, aber ich weiss nicht ob ich das schaffen kann“.
Durch einen Funksender in seinem Ohr ertönt die ihm bekannte Stimme seines Vorgesetzten und Mentors: „Natürlich schaffen Sie das. Sie haben solche Situationen schon dutzende Male entschärft!“
Der Held widerspricht: „Bei allem Respekt, Sir, dies ist etwas völlig anderes-“
„Sie können das schaffen!“
„Das hier ist komplizierter als alles, was ich je zuvor gesehen habe“
„Wir haben vollstes Vertrauen in Sie!“
„Sir, es ist einfach unmöglich!“
„Hören Sie“, der Mentor versucht sein Bestes, um unseren Helden bei Sinnen zu halten, „Sie haben solche Fälle seit Monaten perfekt gemeistert, Ihre Bilanz ist makellos! Noch nie gab es einen unlösbaren Fall, und dies wird keine Ausnahme sein! Reissen Sie sich zusammen!“
„Sir, es *dreht* sich! ES DREHT SICH!“
Es herrscht einen Moment absolute Stille.

„Was redest du da?“, fragt mich Mupf.
Oh je, meine Gedanken sind wohl wieder mit mir durchgegangen. Nein, hier läuft kein Film und einen Helden mit Knopf im Ohr gibt es auch nicht. Hier stehe nur ich und auf dem Wickeltisch vor mir dreht sich mein windelloser Sohn ständig vom Rücken auf den Bauch. Ich versuche schon seit ein paar Minuten, ihm eine frische Windel anzuziehen, aber er hat wohl eben seine Freude am Wickeltischturnen entdeckt.
Seit einigen Tagen ist es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, dem Kleinen einfach mal eben so die Windeln zu wechseln. Zappeln, umdrehen, Fluchtversuche, Hohlkreuze und Bemühungen, mir die neue Windel aus der Hand zu reissen, machen die Aufgabe etwas komplizierter als sie es noch vor einem Monat war.

Nun, ich denke, daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen.
Ich hoffe, dass er eines Tages verstehen wird, dass es für uns beide leichter sein wird, wenn er einfach ein paar Sekunden still liegen würde.

Bis dahin ist „Mission Impossible“ angesagt. Die Filme sind doch auch alle gut ausgegangen…
oder?

Cut the wire!

Cut the wire!

Bildnachweis: Flickr Commons von Wonderlane

Eisbrecher

Ich stehe im Kaufhaus und sehe mich nach ein paar Kleinigkeiten für die Wohnung um. Vielleicht eine Obstschüssel für’s Wohnzimmer? Oder ein paar Kerzen für die Weihnachtszeit? In diesem Moment läuft eine Frau an mir vorbei und sagt lächelnd „Na, du bist aber ein Hübscher“.
Ich erwidere das Lächeln wortlos und wechsle verdutzt die Abteilung.
So etwas passiert mir doch sonst nie!
Auf dem Weg dort hin huschen ein paar Mädchen an mir vorbei. „Gott, der war aber süß“, höre ich sie flüstern, als sie um die Ecke biegen und verschwinden.

Tja, da kann selbst ich mir kein Grinsen verkneifen.

„Oh, was hat der für ein tolles Lächeln!“ ruft da schon wieder eine weibliche Stimme in meine Richtung. Eine Schritte von mir entfernt steht eine junge frau, die sich voller Entzückung beide Wangen mit den Händen eindrückt.

Nachdem ich die letzten Kommentare wortlos an mir vorbei gehen ließ, antworte ich dieses mal der Dame gegenüber: „Ja, er hat wirklich ein tolles Lächeln!“

Spätz lächelt.

Spätz lächelt.

Nein, ich bin nicht so sehr von mir selbst eingenommen, dass ich von mir selbst in der dritten Person spreche. Um das Bild zu vervollständigen: Auf meinem Arm sitzt mein kleiner Sohn und strahlt über beide Backen die Frau an.
Nun, so geht es fast jedes mal zu, wenn wir mit dem Kleinen unterwegs sind. Er grinst immerzu jeden um sich herum an, und entfacht dadurch so manche Unterhaltung mit fremden Personen. Es ist schon etwas anderes, mit einem solch kontaktfreudigen Kleinkind einkaufen zugehen.
Sein Lächeln steckt andere Menschen förmlich an und dank ihm entstehen jedenfalls immer sehr nette, spontane Unterhaltungen mit Leuten, die ich sonst wohl nie angesprochen hätte.

Hast du als Papa überhaupt noch Zeit?

Ich hab mich vor kurzem mal wieder mit ein paar Freunden für einen Spieleabend verabredet. Damit meine ich nicht den traditionellen Spieleabend im Wohnzimmer mit Spielfiguren, Karten und Würfeln, da die meisten meiner Freunde und Bekannten doch etliche Kilometer weit weg wohnen (obwohl solche trotz der Entfernung ab und an stattfinden). Wir treffen uns auf Skype und spielen zusammen Videospiele.
In meinem engeren Freundeskreis bin ich bis jetzt (noch?) der einzige Papa, und nachdem wir nun weiterhin recht regelmäßig solche Spielabende veranstalten, fiel nun zum ersten mal die Frage: „Wie kommt es denn, dass du überhaupt noch dafür Zeit hast, mit uns zu spielen? Du hast doch ein KIND!“

Stimmt. Wenn man ein Kind hat, dann muss man sich ja auch 24 Stunden am Tag darum kümmern und seine komplette Freizeit aufgeben! Na, so hatte ich das damals als Nicht-Papa auch gesehen, zumindest bekam ich immer diese Botschaft von anderen frischen Eltern. Da wurde immer ganz dick aufgetragen: Seine Hobbys und Freizeit kann man sich abschminken und der Nachwuchs bestimmt den Tagesablauf. Wenn das Kind erst einmal da ist, gab es für die Zeuger scheinbar nur ein Schicksal: Babydiktatur!

Meine Freizeit war mir (wie das wohl jeder nachvollziehen kann) immer recht wichtig. Als der kleine Minimupf noch im sprichwörtlichen Backofen war, hatte ich schon ein wenig Angst davor, mich von meinen Hobbys verabschieden zu müssen. Immerhin begann nun das Zeitalter Baby.

So, hier bin ich nun: im Zeitalter Baby. Und hatten die anderen Eltern recht? Ja. Aber haben sie maßlos übertrieben? Ja!
Natürlich sind spontane Ausflüge nun vom Tisch, und es werden auch keine Nächte mehr durchgemacht (naja, um ein paar schlaflose Nächte kommt man selbst mit einem pflegeleichten Kind wie unserem nicht herum). Natürlich fordert ein kleines Kind viel von einem, und so lange er wach ist, will er selbstverständlich auch bespaßt werden. Da will ich auch keinem etwas vormachen; leicht ist das alles nicht. Dennoch genieße ich die Zeit, die ich mit meinem Sohn verbringen kann. Bei einem Kind das schon beim aufwachen so knuffig grinst, steht man selbst um 5:00 morgens mit guter Laune auf.
Aber ansonsten bleibt immer noch genug Zeit für einen selbst, auch mit Nachwuchs. Unser Minimupf wird immer zwischen 19:00 – 20:00 Uhr schlafen gelegt. Da er wirklich beinahe ausnahmslos auch immer gleich einschläft und sich dann auch stundenlang nicht mehr meldet, gibt es jeden Abend Freizeit, die wir uns als Paar gestalten können, wie wir möchten. Das bedeutet zwar meist, dass wir uns irgendwie daheim beschäftigen müssen, aber das ist für uns beide kein Problem. Und oft genug lassen wir uns Abends gegenseitig unseren Freiraum damit jeder seinen eigenen Aktivitäten nachgehen kann. Keiner von uns beiden kommt zu kurz, und damit jeder Abends mal etwas länger aufbleiben darf, übernehmen wir abwechselnd die „Frühschicht“ (sprich: wer kümmert sich um den Minimupf, wenn er mal wieder vor 7:00 Uhr wach wird).

Deswegen gibt es für mich auch weiterhin nach der Geburt genügend Zeit für die regelmäßigen Spieleabende, und meinen Freunden fällt es immer noch schwer zu glauben, dass ich auch wirklich Papa geworden bin.

gamer daddy

gamer daddy

Bildnachweis: Flickr von Simbach

„Willst du ein Kind mit mir?“

Der erste Post von Herrn Mupf mit einem Thema, dass ihm sehr am Herzen liegt:

Ich denke, bei vielen Männern läuft ein kalter Schauer den Rücken herunter, wenn der Partner diese Frage stellt. Bei mir war es sicherlich so und das gebe ich auch ganz offen zu. Bei mir standen Kinder nicht auf dem Lebensplan (was unter anderem daran liegt, dass ich mir nie einen richtigen Lebensplan gemacht habe).
„Warum willst du denn Kinder?“, fragte ich Mupf, „Die sind doch nur laut, rotzen ständig vor sich hin, heulen, kreischen und außerdem mögen sie mich nicht.“ Vorteile gab es meiner Meinung nicht.

Aber Mupf, das war klar, wollte unbedingt Mutter werden. Das stand schon sehr früh in unserer Beziehung fest. Ich war aber nicht bereit dazu, Vater zu werden. Es gab immer einen guten Grund (bzw. eine schlechte Ausrede), keine Kinder zu bekommen. Zuerst das Studium abschließen, zuerst einen festen Job finden, erst noch einen besseren Job finden, eine große Wohnung sollten wir auch haben, etc. Aber abgesehen davon, konnte ich mich einfach nicht in der Vaterrolle sehen.

Ich habe über die Jahre hinweg von vielen Verwandten und Freunden immer wieder gut gemeinte Ratschläge erhalten. Immer die gleichen Klischees.
„Du wirst sicher ein guter Vater!“
„Mit der Zeit wird sich deine Meinung über Kinder sicher ändern!“
Und der Favorit: „Das ist alles ganz anders, wenn es dein eigenes Kind ist!“

Eines Tages besuchte ich dann einen Freund, der selbst erst vor einigen Monaten Vater geworden war. Dieser Typ war so ein richtiger Mann-Mann; er hatte eine Zeit als Türsteher gearbeitet, hatte einen 50-Zoll Plasmafernseher mit Surroundanlage auf dem ständig Fußball und Kinofilme liefen und hatte ein Faible für Zigarren.
Gerade von so einer Art Kerl bekam ich etwas zu hören, dass mich innerlich total durchgeschüttelt hat:

„Weisst du, Frauen – die wissen wann sie bereit sind Mutter zu sein. Bei denen macht es ‚klick‘, und sie wissen, dass sie jetzt ein Kind wollen. Männer haben das nicht. Als Mann wirst du nie bereit sein, ein Kind zu haben. Aber: sobald das Kind da ist, bist du Vater. Und dann, dann macht es auf einmal ‚klick'“.

Diese Aussage spukte mir noch monatelang durch den Kopf. Sie nagte Löcher in meine alte „keine Kinder“-Einstellung und dann kam ich letztendlich zu dem Schluß: ich liebe meinen Mupf über alles, und vielleicht ist das einfach ein Schritt ins Ungewisse, den man als Mann wagen muss.

Also wagten wir es gemeinsam.

Jetzt, da unser Minimupf schon ein halbes Jahr bei uns ist, kann ich eines bedenkenlos sagen: ich bereue nichts. Ganz im Gegenteil! Ich könnte jeden Tag vor Freude weinen. Unser kleiner Sohn bringt so viel Freude ins Haus, wie ich es nie für möglich hielt. Ich hatte nie erwartet, dass ich, der wirklich nichts vom Kinderhaben gehalten hat, nun so glücklich sein würde.

Nun da ich selbst Vater bin, kann ich nur folgendes bestätigen:

Das ist alles ganz anders, wenn es dein eigenes Kind ist.

Und ja, es macht wirklich ‚klick‘.