Für oder gegen Impfen?

Ich habe mir diese Studie ausgesucht, weil es ein Thema ist, das mir sehr am Herzen liegt. Als Wissenschaftlerin bin ich eine Befürworterin des Impfens und zwar so umfassend wie möglich. Es ist unheimlich wichtig, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft aufwacht und Aufklärung betreibt.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Anti-Impfbewegung und wurde von der Gruppe um Dr. Tafuri in Italien geschrieben.

Sehr interessant fand ich gleich zu Anfang das die Anti-Impfbewegung fast so alt ist wie das Impfen selbst, also seit 1853 in England.
Dort war das Impfen gegen Pocken Pflicht und in einem kleinen Dorf in Mittelengland formte sich Widerstand. Es wurde argumentiert, dass sich eine Infektion verhindern lasse durch gute Kommunikation und frühe Warnungen. Kontakte mit Kranken sollten unterbleiben und Haushaltsgegenstände, die kontaminiert waren, zerstört werden. Nachdem die Regierung den Sachverhalt untersucht hat, formte sich noch mehr Widerstand und im Endeffekt wurden Leute des Widerstandes in die Regierung gewählt und die Impfpflicht gekippt.

english

Der Artikel fasst die Hauptstrukturen der Anti-Impfkampagne zusammen:

  • Impfstoffe verursachen spontane Krankheiten
  • schreckliche Allianz der Pharmakonzerne für den Profit
  • Impfstoffe sind giftige Cocktails
  • Befürworter des Impfens haben Angst vor der Wahrheit und davor, dass Fehler aufgedeckt werden. Deshalb verschliessen sie sich vor den Fakten.
  • Impfen wirkt nur über einen begrenzten Zeitraum
  • Mit einem guten Lebensstil, einer gesunden Ernährung und einer tadellosen Hygiene lassen sich Krankheiten verhindern.

Es gibt natürlich ethische Probleme, die mit Impfen oder einer Impfpflicht einhergehen. Um den Impfschutz für die gesamte Bevölkerung zu gewährleisten, muss ein sehr hoher Prozentsatz geimpft werden. Denn ungeimpfte Personen riskieren das Leben:

  • von Babys, die zu jung zum Impfen sind
  •  Menschen, die nicht geimpft werden können
  • und allen anderen, da Impfen leider nicht zu 100% schützt.

Aber es muss in der heutigen Zeit auch Rücksicht auf die individuelle Entscheidung der Eltern und Menschen genommen werden, die Impfen für zu gefährlich halten.

Tafuri sieht den Schlüssel zu einer erfolgreich geimpften Bevölkerung in den Mitarbeitern des Gesundheitswesens. Mehrere Studien haben bereits gezeigt, dass selbst grosse Skeptiker gegenüber dem Impfen durch gute Informationen und engagiertem Personal ihre Kinder impfen lassen.
Die Rolle der Beschäftigten im Gesundheitswesen erfüllt eine Vorbildfunktion. Sind sie geimpft, empfehlen sie die Impfung auch ihren Patienten weiter. Ausserdem sind nicht nur Ärzte wichtig bei der Entscheidungsfindung der Patienten, sondern eben auch Hebammen, Apotheker, Krankenschwestern und Kinderärzte.

Woher bekommt der Patient sonst noch seine Informationen? Genau. Aus dem Web, von Blogs (haha), Facebook, Foren und Twitter. Der Arzt hat nicht mehr alleine das Monopol des Wissens und ist nicht mehr der Halbgott in weiss. Der Patient greift aktiv in seine eigene Pflege und Betreuung ein. Jeder von uns kennt sicher schon Leute, die sich ihre eigene richtige Diagnose aus dem Internet gebastelt haben.
Leider hat das Ganze auch Nachteile. Vor allem die Impfgegner haben das Web 2.0 für sich entdeckt und rekrutieren seit Jahren Eltern durch schlecht recherchierte Artikel und furchtbare Geschichten über Einzelschicksale. Viele Alternativmediziner und homöopathische „Ärzte“ stellen Informationen zur Verfügung, die sehr leicht zu finden sind (aber eben auch falsch).
Immerhin 16 % aller Patienten suchen ihre Informationen online und 70% davon lassen sich in ihrer Entscheidung davon beeinflussen.

Einen herben Rückschlag haben die Befürworter des Impfens einstecken müssen als sich der „Arzt“ Dr. Wakefield zu einem Artikel in der Lancet hinreissen ließ. 1998 „untersuchte“ er 20 Patienten, die zuvor die MMR-Impfung (Mumps, Masern, Röteln) bekommen hatten. Er schrieb, dass die Patienten Autismus und einen entzündlichen Darm bekommen hätten auf Grund dieser Impfung. Als die Sunday Times diese Studie in 2004 untersuchte, fand sie heraus das Wakefield 81 800 Euro von Anwälten bekommen hatte für diese Studie. Diese Anwälte wollten die Pharmaindustrie auf Schmerzensgeld verklagen. Die Lancet zog daraufhin die Publikation zurück. In 2010 wurde Wakefield die Lizenz entzogen.
Aber der Schaden war bereits riesig.

Was schlägt Tafuri also vor um diesem Treiben entgegen zu wirken?

  • Das Personal im Gesundheitswesen muss gut informiert sein über die Anti-Impfbewegung und gute Argumente haben.
  • Es ist wichtig den Patienten vorher gut zu informieren. Vor allem Warum, Wann und Wer geimpft werden sollte.
  • Gute Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig. Die Bedenken der Öffentlichkeit sollten ernst genommen werden und dadurch muss Vertrauen aufgebaut werden. Hier ist vor allem der Dialog wichtig und keine belehrenden Massnahmen.
  • Die Mitarbeiter sollten alle in einem Boot sitzen und als Vorbild dienen. Vor allem sollten sie die Zielgruppe für eine Pro-Impfkampagne sein.
  • Vor allem neue Mitarbeiter müssen in ihrer Ausbildung besonders in den folgenden Punkten informiert werden:
    – Impfsicherheit
    – Kommunikation mit den Eltern
    – Aushebeln der Argumente der Impfgegner
Spritze

Spritze

Warum mir Impfen so wichtig ist, schreibe ich in einem eigenen Artikel.

Bildnachweis: Spritze von ZaldyImg, fireplace Steve Slater

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Über mupfens

Wir sind eine Familie, bestehend aus: Mupf, Anfang 30, weiblich und Herr Mupf, Anfang 30, männlich Minimupf, Ende Mai 2013 geboren und zwei Katzenmüpfe. Der Dicke ist schon 13 Jahre alt und die Kleine erst 4 Jahre alt. Ich interessiere mich für wissenschaftliche Artikel, Stricken und Spiele aller Art. Herr Mupf interessiert sich für Videospiele und Spiele aller Art. Im Moment bin ich Vollzeitmama und Herr Mupf arbeitet für ein grosses Unternehmen zuhause.

6 Gedanken zu „Für oder gegen Impfen?

  1. Pingback: Wie bringt man Impfgegner dazu sich impfen zu lassen? | Ratgeber-News-Blog

  2. Pingback: Impfungen – Oder: Denkt doch auch mal an die Kinder | Der Hellseher – Ein skeptisches Weblog

  3. Impfen ist Körperverletzung!
    Impfen macht krank!
    Keiner kennt eine Antwort auf die Frage „Was passiert nach der Spritze?“!
    Impfstoffe sichern wirtschaftlichen Wohlstand!

    • Danke Sebastian für deinen Kommentar. Ich nehme ganz stark an, dass du meinen Artikel gar nicht erst gelesen hast oder wenn dann nur die ersten paar Zeilen. Das passiert mir auch oft und man kann sich dann gar nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren.
      Versuch es also nochmal und kommentiere bitte konstruktiv 🙂

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